19. Mai 2024
Aktuelles

Brasilianischer Sieg im Grand Prix of Hamburg ­

Hamburg – Yuri Mansur hat mit der elfjährigen Miss Blue-Saint Blue Farm den mit 250.000 Euro dotierten Longines Grand Prix of Hamburg gewonnen. 2015 war der Brasilianer das erste Mal in Hamburg am Start, neun Jahre später hat er sich einen Traum erfüllt.
In zwei Wochen feiert der Olympiareiter im auffallend sonnengelben Jackett seinen 45. Geburtstag, das erste große Geschenk hat er sich schon in Hamburg ‚abgeholt‘. „Das Turnier hier in Hamburg ist mit uns brasilianischen Reitern eng verbunden“, sprudelt es aus dem stolzen Sieger. „Früher haben wir uns die Übertragungen aus Hamburg immer und immer wieder im Fernsehen angesehen. Als ich dann das erste Mal hier war, war das für mich schon etwas absolut Besonderes.“ Und jetzt dieser Sieg…

Beim Abgehen des Parcours hat er überlegt, ob seine Stute, die eine Turnierpause hatte einlegen müssen, schon wieder fit genug für diesen schweren Kurs sei. „Aber die Art und Weise wie sie gesprungen ist, hat mir gezeigt: Sie ist wieder absolut fit.“ Die Herausforderung im Stechen schneller zu reiten als Steve Guerdat, sei richtig groß gewesen. „Dadurch, dass ich nach Steve dran war, konnte ich genau gucken, wie er das Stechen geritten hat – ich bin wirklich auf Risiko geritten und das hat sich ausgezahlt.“ Über dem letzten Sprung habe er fast das Gefühl gehabt zu fliegen. „Die meisten Pferde werden flach im Sprung, wenn man zu schnell reitet, aber diese Stute springt dann fast noch höher. Das macht den Unterschied zu fantastischen Pferden aus.“ Die brasilianische Spring-Equipe hat sich einen Team-Startplatz bei den Olympischen Spielen gesichert, Mansur würde gerne zum Team gehören und heute hat Miss Blue in Hamburg gezeigt, dass sie die genau richtige Partnerin dafür sein könnte.

Mit 42,96 Sekunden nahm Mansur am Ende dem Schweizer Guerdat noch fast vier Zehntelsekunden ab und sicherte sich den Sieg im Longines Grand Prix. Guerdat war trotzdem hoch zufrieden mit der elfjährigen Lancelotta. „Ich habe sie noch nicht so lange unter dem Sattel und das war für sie der bisher größte Parcours, den sie gesprungen hat. Beide Runden null, das war schon super.“ Er sei bisher dreimal mit ihr ein Vier-Sterne-Stechen geritten, jedes Mal mit einem Fehler. „Deswegen habe ich mich vielleicht heute nicht getraut, alles zu riskieren. Also bin ich mit meinem Ritt etwas enttäuscht, aber mit der Stute super zufrieden.“ Ein Riesenkompliment sprach der Schweizer Olympiasieger der deutschen Spitzenreiterin Sandra Auffarth aus: „Sie hat eine unglaubliche Runde gedreht, so wie man es eigentlich möchte und hätte auch den Sieg verdient. Sie ist heute so geritten, wie man vor so einer Kulisse reiten muss – das, was ich mich heute nicht ganz getraut habe.“ Auffarth ist auf Quirici H mit der schnellsten Zeit durch den Stechparcours geflitzt, hatte aber leider fast am Ende des Kurses einen Abwurf.

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„Wenn ich Zweiter gewesen wäre mit elf Hundertstelsekunden Rückstand, dann hätte ich mich geärgert“, gab André Thieme offen zu. „Aber so freue ich mich über den dritten Platz.“ Mit seiner Europameisterin Chakaria ist er in 44,44 Sekunden hinter Guerdat mit 44,33 Sekunden gesprungen. „Ich spüre ganz deutlich, wie sich Chakaria von Woche zu Woche steigert. Ich wollte heute noch nicht alles riskieren und bin super glücklich mit dem Pferd – sie fühlt sich super gesund an und der Kampfgeist ist schon lange wieder da.“ Im August vergangenen Jahres hatte sich die Stute leicht verletzt und war für die Europameisterschaft ausgefallen.

14 der 50 Starter im Longines Grand Prix of Hamburg blieben ohne Fehler und haben sich für das Stechen qualifiziert. Bundestrainer Otto Becker hatte nicht mit so vielen Nullfehlerritten gerechnet, erklärte er. „Der Parcours war schwer, aber fair.“ Und die Klasse der Reiter und Pferde sorgten für Topsport und ein 14-köpfiges sehr schnelles Stechen.

Werbung für Hamburg
Derbychef Volker Wulff genoss diesen Turniersamstag und die vielen Zuschauer. „Ich glaube, wir hatten noch ein bisschen mehr Besucher als gestern und vorgestern. In der Dressur, in der Ausstellung – überall waren sehr viele Leute. Ich habe noch keine genauen Zahlen, aber ich denke, es waren sicher 24.000 Besucher da. Es war wieder ein Tag der Werbung für das Turnier hier in Hamburg.“

Der Sturz des Iren Trevor Breen sorgte für Schreckminuten auf dem Derby-Platz. Sein Pferd hatte den Absprung zu einem der Oxer nicht gefunden und war gestürzt. Der erfahrene irische Springprofi wurde mit einem Krankenwagen ins Krankenhaus gefahren. „Ich habe Kontakt zu einer Ärztin, die mit ihm gefahren ist“, berichtete Wulff. „Trevor ist bei Bewusstsein, der Kreislauf stabil und er kann alle Finger und Zehen bewegen. Die Ärzte gehen davon aus, dass er Stauchungen und Prellungen hat, aber er wird zur Sicherheit noch durchs CT geschoben. Im Moment gehen wir davon aus, dass er sehr bald wieder im Sattel sitzen wird.“

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