19. Mai 2024
Aktuelles

Bundestrainer zeigen sich gut gerüstet für die Olympischen Spiele

Road to Paris: Noch 106 Tage

Noch 106 Tage sind es bis zum Beginn der Olympischen Spiele. In einem Pressegespräch haben die Bundestrainer zusammen mit Dr. Dennis Peiler, Geschäftsführer des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR), darüber informiert, was die Pferdesportler in Paris erwartet, wie der Sichtungsweg dorthin aussieht und welche Besonderheiten es in den jeweiligen Disziplinen gibt.

Die Olympischen Reiterspiele in Paris finden vor der gewaltigen Kulisse von Schloss Versailles statt, in dessen weitläufigem Park ein temporäres Reitstadion sowie die Geländestrecke für die Vielseitigkeit errichtet wird. Aufgrund der großen Entfernung zur Reitanlage ist das gesamte deutsche Team nicht im Olympischen Dorf untergebracht, sondern wohnt rund 20 Minuten entfernt von der Reitanlage in einem Hotel, genauer gesagt, in der neu errichteten Fortbildungsstätte eines Lebensmitteldiscounters, wie Dr. Dennis Peiler zu berichten wusste.

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Die Wettbewerbe beginnen für die Reiter am 26. Juli mit der Verfassungsprüfung der Vielseitigkeitspferde und enden am 6. August mit dem Einzelfinale im Springen. „Das werden die kürzesten und kompaktesten Reiterspiele bisher“, so Peiler. Das liegt nicht nur an den Modi der einzelnen Disziplinen, sondern auch daran, dass keine Puffertage eingebaut wurden, wie das aus klimatischen Gründen beispielsweise in Tokio der Fall war. Über die Ziele sagte der DOKR-Geschäftsführer: „Unser mit dem DOSB und BMI angepeiltes Ziel lautet drei bis fünf Medaillen. Das ist aber keine Vorgabe, sondern ein Medaillenkorridor für den Fall, dass alles optimal läuft.“

Erstmals begleitet der zweimalige Mannschaftsolympiasieger Peter Thomsen als verantwortlicher Bundestrainer die Vielseitigkeitsreiter nach Paris. Mit einer verkürzten Dressur, so dass alle Paare an einem Tag starten können, nur drei Paaren je Mannschaft und zwei statt einem Springen zum Abschluss unterscheidet sich die olympische Vielseitigkeit doch erheblich von einer „normalen“ Welt- oder Europameisterschaft. Auf seiner Liste für Paris stehen neben bereits hochdekorierten Reitern wie Michael Jung auch jüngere Anwärter, die die Chance ergreifen wollen. „Ich hoffe, dass die Saison so läuft, dass es den Selektoren möglichst schwerfällt, die besten drei rauszufinden, denn das ist meistens der beste Indikator dafür, um auch erfolgreich auf dem Championat zu sein.“ Als persönliches Wunschziel nannte Thomsen zwei Medaillen, gab aber zu bedenken, dass das Erreichen dieses Ziels von vielen Faktoren abhängt. Und ganz am Ende „müssen wir die richtige Reithose anhaben“, sagte er und meinte damit das notwendige Quäntchen Glück, das immer auch zum sportlichen Erfolg dazugehört.

Die Dressurreiter starten in Paris als zweite Disziplin. Hier macht der Grand Prix den Auftakt. Dieser zählt zwar selbst nicht für das Ergebnis, hat jedoch als Qualifikation für die Teamwertung (Grand Prix Special) und die Einzelwertung (Grand Prix Kür) einen nicht unerheblichen Einfluss. „Der Grand Prix entscheidet auch über die Reihenfolge in der Teamwertung“, erklärte Bundestrainerin Monica Theodorescu. Neben Jessica von Bredow-Werndl und TSF Dalera BB als Nummer eins weltweit verfügt Deutschland aktuell über einen laut Bundestrainerin „sehr ausgewogenen Olympiakader“. Theodorescu: „Das wird jetzt interessant bei den individuellen Vorbereitungsturnieren und natürlich den offiziellen Sichtungen in Balve und Aachen, wie sich das sortiert. Das wird sicher eine spannende Angelegenheit.“ Generell hofft sie darauf, dass der Dressursport in Paris eine positive Wahrnehmung gewinnen kann. „Im Moment gibt es ja hier und da sehr kritische Stimmen, die auch teilweise nicht unberechtigt sind, und ich hoffe, dass wir uns sehr positiv darstellen können. In den letzten Monaten und Jahren ist das von unserer Seite eigentlich recht gut gelungen, aber wir müssen da dranbleiben, weiterhin gutes Reiten zeigen, schönes Reiten zeigen und gute Leistung zeigen“, sagte sie: „Denn natürlich sind Olympische Spiele für uns unwahrscheinlich wichtig, um in der Sportwelt wahrgenommen zu werden“.

Nach wie vor unzufrieden zeigte sich Bundestrainer Otto Becker mit dem Austragungsmodus im Springen, vor allem mit dem Wegfall des Streichergebnisses, wie es erstmals in Tokio praktiziert wurde. Denn Deutschland reist zwar mit vier Reitern nach Paris, in der Teamwertung kommen aber nur drei zum Einsatz. „Immerhin fangen wir in diesem Jahr mit der Teamwertung an, was sehr wichtig ist für die Teambildung. Und wer im Team gut ist, kann sich dann auch im Einzel präsentieren“, so Becker. Die Teamwertung beginnt mit einer Qualifikation am ersten Tag, aus der sich die besten 10 von 20 Teams empfehlen können. Im eigentlichen Team-Springen beginnt alles wieder bei null, bei Gleichstand erfolgt ein Stechen um den Sieg. Nach zweitägiger Pause folgt dann die Einzelwertung nach gleichem Muster, wobei hier zunächst 75 Paare starten, von denen sich die besten 30 fürs Finale qualifizieren. Angesichts des Modus und der starken Konkurrenz formulierte Becker als größte Herausforderung, „dass alles glatt gehen muss und kein Ritt danebengehen darf. Die Nationen liegen alle dicht beieinander.“ Als Ziel nannte er: „Wir wollen vor allem fairen Sport abliefern, wir haben eine hohe Verantwortung gegenüber unseren Pferden, aber natürlich wollen wir auch Erfolg haben. Das Ziel ist klar, als erstes eine Teammedaille und alles andere wäre eine schöne Zugabe.“

Rund drei Wochen nach den Olympischen Spielen sind die Paralympics an der Reihe. Erstmals fährt Silke Fütterer-Sommer als Bundestrainerin mit zu den Spielen. Einen ersten Probelauf hatte sie bereits im vergangenen Jahr, als sie mit den deutschen Para-Dressurreitern bei ihren Europameisterschaften zwei Gold-, zwei Silber- und drei Bronzemedaillen gewinnen konnte. Der Modus in der Para-Dressur ähnelt dem regulären Championatsmodus am meisten. Jeweils vier Paare pro Nation können an der Einzelwertung und – sofern sie sich dafür qualifizieren – auch an der Kür teilnehmen. Nur in der Mannschaftswertung sind wie in den übrigen Disziplinen nur drei Paare erlaubt. Insgesamt werden elf Medaillensätze vergeben: neben einem in der Teamwertung sind es jeweils fünf in der Einzelwertung und Kür, also ein Satz je Behinderten-Grade. „Meine persönliche Vorbereitung ist es, Reiter und Pferde zu kennen und immer noch mehr kennenzulernen. Für mich ist es unheimlich wichtig, die Paare zu kennen, die Besonderheiten der Pferde aber auch der Reiter, das ist ja bei uns sehr individuell. Darauf versuche ich mich ganz akribisch vorzubereiten. Denn je besser ich meine Paare kenne, umso mehr kann ich unterstützen und zur Seite stehen, wenn es darauf ankommt, gerade wenn vielleicht jemand unkonzentriert wird oder jemand ein körperliches Problem hat“, sagte Fütterer-Sommer. Auch sie sieht trotz starker Konkurrenz optimistisch in Richtung Paris: „Wir hatten letztes Jahr wirklich ein starkes, erfolgreiches Jahr und ich hoffe, dass wir diese Motivation dieses Jahr weiter mitnehmen können.

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