CHIO: Wechselbad der Gefühle für Deutschland

Was für ein Abend beim Mercedes-Benz Nationenpreis 2021! Ein überragendes US-Team mit drei Newcomern, ein Sturz im deutschen Team und eine Aufholjagd der französischen Equipe sorgten für einen spannenden Donnerstag beim CHIO Aachen.

Aachen – „Auf diesen Abend haben wir uns den ganzen Sommer gefreut“, sagte US-Reiterin Jessica Springsteen – nach dem Triumph war die Freude umso größer. „Ich habe so lange davon geträumt, hier in Aachen zu starten, und jetzt den Mercedes-Benz Nationenpreis zu gewinnen, das ist unglaublich. Ich bin so dankbar.“ Teamkollege Brian Moggre, gerade 20 Jahre jung, war völlig aus dem Häuschen: „Ich habe vor Freude geweint, als ich aus dem Parcours kam – hier zu gewinnen, in Aachen, mit meiner Trainerin und zwei meiner allerbesten Freunde im Team – was soll da noch kommen?“ Mit gerade mal vier Fehlerpunkten in Summe sicherte sich die US-Equipe um Equipechef Robert Ridland den Mercedes-Benz Nationenpreis 2021 vor rund 18.000 Zuschauern, also ziemlich exakt so vielen, wie entsprechend der Corona-Regeln ins Stadion der Soers durften.

Der letzte Sieg einer US-Mannschaft in Aachen ist 16 Jahre her. 2005 war es, Laura Kraut – Brians Trainerin – erinnert sich noch genau, denn sie gehörte damals auch zu diesem Team. Und ihre Nullrunde im zweiten Umlauf war es, die der Mannschaft jetzt erneut den Sieg bescherte. Allerdings hatten ihre Kollegen gute Vorarbeit geleistet.


Jessica Springsteen und Don Juan van de Donkhoeve, zusammen mit Laura Kraut Mannschaftssilbermedaillengewinnerin der Olympischen Spiele in Tokio, startete als erste Reiterin und lieferte eine saubere Nullrunde. Ihre Teamkollegen Lucie Deslauriers („Es gibt keinen zweiten Platz wie Aachen!“) auf Hester und Brian Moggre mit Balou du Reventon taten es ihr gleich. Da konnte Kraut sich in Runde eins getrost einen Abwurf erlauben.

Im zweiten Umlauf erhöhte Parcourschef Frank Rothenberger einige Hindernisse und verbreiterte andere. Das wendete das Blatt für einige Mannschaften. Springsteen sammelte als erste Starterin für die USA acht Fehlerpunkte. Bei den anderen Teams keimte Hoffnung auf. Deslauriers hatte einen „Netzroller“, Brian Moggre blieb sensationell ein zweites Mal null. Hieß also, bis zur Schlussreiterin hatten die USA vier Fehler, die zählten. Da sie als Führende aus dem ersten Umlauf gekommen waren, waren sie letztes Team in Runde zwei.

Die Schweden mit Petronella Andersson auf Castres van de Begijnakker Z, Jens Fredricson auf Markan Cosmopolit, Annika Axelsson im Sattel von Cleo Z und Angelie von Essen im Sattel von Alcapone des Carmille hatten in beiden Umläufen je einen Abwurf der zählte, also acht Strafpunkte.

Bedeutete für Laura Kraut: Bliebe sie null, wären die USA Sieger, ein Abwurf und es gäbe ein Stechen, zwei oder mehr und Schweden stünde vorne. Laura Kraut: „Als Brian zu mir sagte, wenn ich nicht null reite, würde es ein Stechen gegen Schweden geben, habe ich zugesehen, dass ich null bleibe.“ Denn die Situation hatte sie ja gerade erst bei Olympia, wo es Gold für Schweden und Silber für die USA wurde. Aber sie konnte sich auf ihren Baloutinue verlassen. Und als sie das letzte Hindernis fehlerfrei überwunden hatte, fielen ihre Teamkollegen auf der Teilnehmertribüne sich jubelnd um den Hals.

Teamchef Robert Ridland: „Hier zu gewinnen ist ein Highlight! Wir waren mehrfach nah dran. Sogar in Tokio vor Ort konnten wir es gar nicht abwarten, zurück nach Aachen zu kommen, denn darauf haben wir gewartet!“

Platz zwei ging mit acht Fehlern an Schweden. Rang drei sicherten sich mit zwölf Fehlern die Franzosen, die im ersten Umlauf noch acht Strafpunkte auf dem Konto hatten und dann auch noch einen Mann „verloren“, als Laurent Goffinets Atome des Etisses eine Aversion gegen die dreifache Kombination entwickelte und ausschied. Heißt, sie waren nur noch zu dritt am Start. Und trotzdem schafften sie es, im Gegensatz zur Konkurrenz, es in Runde zwei bei einem Abwurf zu belassen.

Nur noch zu dritt war auch das deutsche Team unterwegs. Dabei begann alles so vielversprechend. Daniel Deußer und Killer Queen legten einen fantastischen Null-Fehler-Ritt zum Auftakt hin. Dann wäre eigentlich Marcus Ehning zweiter Starter fürs Team gewesen. Doch auf dem Abreiteplatz stürzten er und sein À la Carte NRW an einem Aufwärmsprung. Ehning fiel schmerzhaft. Aber die Ärzte waren sofort zur Stelle. Zur Sicherheit wurde Ehning zum Durchchecken ins Krankenhaus gebracht, erschien aber schon kurze Zeit später wieder auf dem Platz. Er und sein Hengst waren beide mit dem Schrecken davongekommen. Christian Ahlmann auf Clintrexo Z und David Will mit C-Vier kassierten mehrere Fehler. Am Ende wurde es Rang sechs für Deutschland.

Bundestrainer Otto Becker: „Ja, es war eine Achterbahn der Gefühle. Es war eine Ausnahmesituation heute Abend, von daher kann ich dem Team überhaupt keine Schuld geben. Beim nächsten Mal versuchen wir es einfach besser zu machen!“

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