Covid-19: Der “Erkältungsknigge” aktueller denn je

Moderne Umgangsformen für die Erkältungs- und Grippezeit decken sich in vielen Bereichen mit den aktuellen Empfehlungen der Gesundheitsbehörden. So ist ein wichtiger Pfeiler der Umgangsformen die Wertschätzung für einander. Und damit auch der Respekt und der Schutz des anderen.

Wie können wir uns schützen?
Ein starkes Immunsystem und die Verantwortung für einen rücksichtsvollen Umgang miteinander sind ein unschlagbares Team – das zweite läuft unter dem Stichwort
Erkältungsknigge – Umgangsformen bei Erkältung und Grippe.

Rücksichtnahme durch zu Hause bleiben
Wer erkältet ist, einen Schnupfen hat oder wen gar die Grippe erwischt hat, der gehört nach Hause. Denn die Ansteckungsgefahr ist hoch und es ist verantwortungslos, andere Menschen dadurch zu gefährden. Wer krank ins Büro geht ist also kein “Held” sondern ein “Schuft”.  Ganz im Ernst, wollen Sie das Risiko eingehen, Ihre Kollegen zu infizieren? Frei wählbare Termine werden am besten verschoben – etwa ein Besuch im Fitness-Studio. Wer Rücksicht auf seine Mitmenschen nehmen und sie vor möglicherweise gefährlicher Ansteckung bewahren will, verzichtet lieber auf das Training, bis die Grippe oder Erkältung abgeklungen ist. Generell gilt bei Terminen: Wer einen Ausweichtermin wahrnehmen kann, sollte diese Möglichkeit nutzen.

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Rücksichtnahme durch Abstand halten
Viren und Bakterien lieben es, durch die Luft zu reisen. Und Versuche haben gezeigt, dass zum Beispiel beim Niesen ein Aerosol (feinstes Flüssigkeit-Luft-Gemisch) mehrere Meter weit geschleudert wird. Deshalb ist ein Sicherheitsabstand von 2 Metern auch ein Gebot der Höflichkeit, wenn Sie doch mal aus dem Haus müssen. Auf “Neudeutsch” auch als “Social Distancing” bezeichnet.

Rücksichtnahme bei der Begrüßung
Wer von Grippe, Schnupfen oder Husten geplagt wird und nicht zu Hause bleiben kann, sollte bei jedem Kontakt mit anderen Menschen Selbstverantwortung beweisen. Unliebsame Störungen durch Niesen und Husten zu ersparen und vor allem die Ansteckungsgefahr zu verringern, ist dann ein Höflichkeitsgebot. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang das Thema “Begrüßung”.

Der von vielen Deutschen bei einem Treffen als obligatorisch betrachtete Händedruck ist oft ein “Virentransporteur” erster Güte. Auf die Begrüßung per Händedruck zu verzichten, wird nicht nur von Gesundheitsfachleuten, sondern auch vom Erkältungsknigge dringend empfohlen. Das beweist in dieser Situation Rücksichtnahme und Höflichkeit. Ein kurzer Hinweis wie: “Ich halte es zurzeit für sinnvoll, das Handreichen wegzulassen, freue mich jedoch, Sie zu treffen”, oder: “Ich möchte Ihnen heute lieber nicht die Hand geben, weil ich so erkältet bin”, hilft, Missverständnissen vorzubeugen.

Zusätzlich sagt der Erkältungsknigge: “Ob Sie selber betroffen sind oder nicht, in Zeiten der Erkältung ist es wichtig häufig und gründlich die Hände zu waschen (mind. 20 Sekunden). Und Oberflächen am besten regelmäßig mit einem Desinfektionstuch oder einer Desinfektionslotion zu desinfizieren. Haben Sie gezwungenermaßen an einer Veranstaltung teilzunehmen, zum Beispiel im beruflichen Bereich, zeigen Sie bitte Ihre Rücksichtnahme zumindest so: Rechtzeitig Medikamente einnehmen, notfalls bei einem akuten Anfall den Raum verlassen – auch das gehört zum Erkältungsknigge.

Rücksichtnahme beim Husten, Niesen und Naseputzen
Eine alte Umgangsformen-Empfehlung besagt, dass der “komplett vorbereitete” Mensch für Notfälle stets ein sauberes Stofftaschentuch bei sich hat. Doch bitte keinesfalls zum Schnäuzen!
Stofftaschentücher dienen als Hilfsmittel, zum Beispiel zur Fleckentfernung, wenn ein Malheur wie ein verschüttetes Getränk passiert. Oder um einer weinenden Dame beizustehen.
Doch in einem Erkältungsknigge hat das Stofftaschentuch nichts zu suchen. Es zum Nase putzen oder zum Vorhalten vor Mund und Nase beim Husten oder Niesen zu gebrauchen widerspricht allen Hygiene-Anforderungen der Fachleute. Denn ein so “getränktes” Taschentuch ist eine Brutstätte für Bakterien und eine Virenschleuder. Für Krankheiten gibt es deshalb Papiertaschentücher.

Papiertaschentücher bitte sofort entsorgen ! Wenn Sie ein Einmaltaschentuch verwenden, das Sie anschließend sofort in einen geschlossenen Mülleimer entsorgen, vermindern Sie die Ansteckungsgefahr nicht nur für andere, was ein Gebot der Höflichkeit ist, sondern auch für sich selber.

Kommt der Nies- oder Hustenreiz so plötzlich, dass der Griff zum Papiertaschentuch unmöglich wird, widerstehen Sie, bitte, der oft seit Kindesbeinen antrainierten und fast reflexartigen Geste, die Hand vor den Mund zu nehmen. Selbst die damit früher verbundene Ermahnung, dazu die linke Hand zu benutzen, weil die rechte die Grußhand ist, bietet keinen ausreichenden Schutz vor der Weiterverteilung der Viren. Der Grund: Viren und Bakterien haften für einige Zeit auch auf Gegenständen wie Türgriffen, Telefonhörern, Haltestangen in öffentlichen Verkehrsmitteln und mehr, wenn solche mit noch ungewaschener Hand angefasst werden – und das kann auch mit der linken Hand schnell passieren.

Als Notlösung, wenn so schnell kein Taschentuch parat ist, empfehlen Gesundheitsfachleute und der Erkältungsknigge, in die Armbeuge zu niesen oder zu husten. Doch das mag von manchem als unästhetisch empfunden werden. Deshalb bleibt der schnelle Griff zum Papiertaschentuch eben das Nonplusultra. Im europäischen Kulturraum gilt das Schnäuzen im Gegensatz zu vielen ostasiatischen Ländern (andere Länder = anderer Erkältungsknigge) zwar nicht als Fauxpas. Doch eleganter ist es auch hier, sich dafür dezent zurück zu ziehen.

Was sagt der Erkältungsknigge zu “Gesundheit”?
Eine der Fragen, zu denen die größte Unsicherheit im Bereich Erkältungsknigge besteht, ist: Sagt man “Gesundheit”, wenn jemand niest?  Unsere Eltern haben uns vermutlich noch beigebracht, dass es höflich ist, dass man “Gesundheit” sagt, wenn jemand niest. In den letzten Jahren tauchte jedoch immer wieder die Aussage auf, dies sei unhöflich, weil es möglicherweise der Hinweis auf ein “Gebrechen”, also eine Krankheit ist.

Aus diesem Grund war die offizielle Erkältungsknigge Empfehlung tatsächlich für kurze Zeit, dass man beim Niesen einer anderen Person nicht mehr “Gesundheit” sagt.
Jedoch ist dieser Brauch in der Bevölkerung so tief verankert, dass es von der weitaus größten Zahl aller Menschen als höflich angesehen wird, dass man “Gesundheit” sagt. Und sogar als unhöflich oder stoffelhaft, wenn man es nicht tut.

Deshalb lautet die offizielle Erkältungsknigge Empfehlung: Wenn in Ihrer Gegenwart jemand niest, so ist es höflich, ihr oder ihm “Gesundheit” zu wünschen. Sollte das Niesen häufiger passieren, so wünschen Sie jedoch nur beim ersten Mal “Gesundheit”. Denn wenn jemand zum Beispiel unter einer Allergie leidet und jede halbe Stunde oder häufiger niesen muss, ist das “Gesundheit” wünschen eher störend und unangenehm als höflich.

Damit verbunden ist auch oft die Frage, ob Sie sich entschuldigen sollen, wenn Sie niesen oder husten müssen? Für das Niesen und Husten selber brauchen Sie sich nicht zu entschuldigen, denn diese Körperreaktion können Sie kaum bis gar nicht kontrollieren. Höflich ist es jedoch sich zu entschuldigen, wenn Sie durch Ihr Niesen oder Husten ein Gespräch unterbrochen oder jemanden erschreckt haben. Die Entschuldigung gilt also der Störung und nicht dem Niesen/Husten selber.

Woher stammt der Brauch, Gesundheit zu wünschen?
In Zeiten der Pest wünschte man Gesundheit, um Gottes Segen für die Gesundheit zu erbitten. Allerdings ging es dabei weniger um das niesende Gegenüber (der vermutlich schon mit der Pest infiziert und damit verloren war). Vielmehr ging es darum, göttlichen Beistand für die eigene Gesundheit zu erbitten. So höflich war der Brauch im Ursprung also gar nicht.

Was sagt der Erkältungsknigge zu Hustenbonbons / Lutschpastillen ?
Es ist verständlich, wenn Sie Ihrem Hals etwas Gutes tun wollen (auch viel Trinken hilft und ist gut für die Stimme !). Im Rahmen des Erkältungsknigge wir empfohlen, dies mit einem kurzen “Bitte entschuldigen Sie, dass ich ein Halsbonbon lutsche, ich bin erkältet.” zu entschuldigen. Denn an und für sich ist es unhöflich mit einem Bonbon im Mund zu sprechen.


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