Das “Auge des Fahrsports” ist tot

Hamburg – Der Fahrsport trauert um Dr. Jürgen Schwarzl. Nur wenige Tage nach seinem 80. Geburtstag ist der Diplom-Chemiker, Medizinjournalist und Fahrsportfotograf am Samstag, dem 23. Mai, einem plötzlichen Herztod erlegen.

Ein Nachruf 

Auf allen großen Fahrturnieren war er eine bekannte Größe: Dr. Jürgen Schwarzl aus Hamburg. Geboren im Kriegsjahr 1940 im oberschlesischen Bielitz, verschlug es die aus dem altösterreichischen Triest stammende Familie bei Kriegsende ins thüringische Berneburg am Kyffhäuser. Der Vater war Kaufmann, die Mutter Mathematiklehrerin. An der Technischen Hochschule Merseburg studierte er Chemie und schloss das Studium in kurzer Zeit als Diplom-Chemiker ab. An der Martin-Luther-Universität in Halle/Wittenberg promovierte er dann parallel zur Berufstätigkeit mit pharmazeutischem Thema zum Doktor der Naturwissenschaften und rundete schließlich mit dem pharmazeutischen Abschluss des Apothekers an der Universität Greifswald seine Ausbildung ab.

Kirchliche Bindungen und die Weigerung, als Forschungsleiter eines Pharmaunternehmens, linientreu der Staatspartei SED beizutreten, führten immer wieder zu Konflikten. Da empfand Jürgen Schwarzl es als eine angenehme Oase, wenn er mit seinem Fotoapparat losziehen konnte, um anfangs Naturaufnahmen zu machen, dann aber vermehrt Pferde abzulichten. Nach seiner alten Leica hat Jürgen Schwarzl erheblich aufgerüstet. Er war technisch hoch professionell und immer aktuell ausgestattet.

Jürgen Schwarzl (li.) und sein Mentor Erich Oese.

Erich Oese, der Nestor des DDR-Fahrsports, nahm Dr. Schwarzl unter seine Fittiche und verschaffte ihm die Bockrichterzulassung, auch ohne Fahrabzeichenprüfung. Die alljährlich in Zerbst durchgeführten DDR-Meisterschaften im Vierspänner (Ein- und Zweispänner-Meisterschaften wurden erst nach der Wende eingeführt) sahen Jürgen Schwarzl fortan im Dauereinsatz, entweder mit dem Bockrichterbogen auf dem Wagen oder mit der Kamera auf der Suche nach spektakulären Motiven.

Nach der Wende 1989 übersiedelte Dr. Jürgen Schwarzl in den Westen und fand neue berufliche Aufgaben als Laborleiter in der Umwelttechnik, dann als wissenschaftlicher Leiter eines Pharma-Unternehmens in Goslar. Dem Fahrsport blieb er weiterhin verbunden. Gemeinsam mit Hans Hermann Hansmeier besuchte er 1990 erstmals das große Riesenbecker Fahrturnier, für das er über 20 Jahre als offizieller Turnierfotograf aktiv war. Chefredakteur Friedrich Friedhoff vom westfälischen Fachmagazin „Reiter & Pferde“ besorgte ihm schließlich ein Presseausweis, der einen unkomplizierten Zugang zu allen Turnierveranstaltungen ermöglichte. In Riesenbeck lernte er schließlich Frank Lütz kennen, der gerade seine neue Fahrsportzeitung Pferde-Fahren-Sport gegründet hatte. Von der ersten Ausgabe an erschienen in großer Zahl Schwarzl-Fotos in „PFS“.

Mit dem Wechsel von Graf Rothkirch zu Graf Schulenburg als Vorsitzender der Fachgruppe Fahren im Deutschen Reiter- und Fahrer-Verband übernahm Dr. Jürgen Schwarzl als Nachfolger von Ulrich Model erst die Aufgabe des Pressesprechers, dann die Geschäftsführung der Fachgruppe. 2009 erhielt er in Anerkennung seiner Verdienste um den Fahrsport das Bronzene Wagenrad der DRFV-Fachgruppe Fahren aus der Hand ihres Vorsitzenden Dr. Günzel Graf von der Schulenburg.

Mit 70 Jahren ging Jürgen Schwarzl formal zwar in den Ruhestand, seine Aktivitäten aber waren ungebrochen. Neben der umfangreichen Reisetätigkeit zu den verschiedenen großen Turnierveranstaltungen war er nach wie vor als pharmazeutischer Gutachter und Berater tätig.

Berichterstattung lebt vom Bild, das wissen alle PR-Experten. Den Fahrsport mit dem Auge von Jürgen Schwarzl zu sehen, hieß zugleich auch, ihn von seiner schönsten Seite zu betrachten. (Rolf Schettler)

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