Die Stimme der Soers sagt „Tschüss“

Christian Graf von Plettenberg im Gespräch

31 Jahre lang hat er hoch oben aus dem Richterturm das Publikum in der Aachener Soers stets mit einer großen Portion Herz und Sachverstand bestens informiert und unterhalten. Heute Nachmittag ist die Stimme von Christian Graf von Plettenberg beim Rolex Grand Prix ein letztes Mal im Hauptstadion zu hören.

Erinnern Sie sich noch an ihren ersten Auftritt beim CHIO Aachen?

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Natürlich. Das war im Jahr 1991. In diesem großen Stadion und vor so vielen Menschen zu sprechen, das war ein ganz aufregender Moment. Und diese positive Aufregung ist bis heute geblieben. Es ist in jedem Jahr ein ganz besonderes Gefühl, hierher zurückzukehren, das erste Mal wieder im Richterturm Platz zu nehmen und das Mikrofon anzuschalten.

Was macht den CHIO Aachen so besonders?

Es ist das Gesamtpaket: Die Stadien, die Atmosphäre und ein Publikum, das in seiner Begeisterungsfähigkeit einmalig auf der Welt ist. Das war damals so und das ist heute so. Denn in all den Jahren, die ich miterleben durfte, hat der Aachen-Laurensberger Rennverein etwas unglaublich richtig gemacht. Das Turnier hat sich mit Berücksichtigung auf die allgemeinen Entwicklungen im Sport stetig weiterentwickelt. Es gab und es gibt keine schönere Veranstaltung in unserem Sport. Das ist auch der Grund dafür, dass alle, die mit dem Pferdesport etwas zu tun haben, davon träumen, zumindest einmal in ihrem Leben in Aachen dabei sein zu dürfen.

Wann haben sie gemerkt, dass Ihre Stimme eine besondere Gabe ist?

Ich empfinde meine Stimme nicht als eine besondere Leistung, für mich es vielmehr ein großartiges Geschenk. Ich selbst habe meine Stimme aber nie als etwas Besonderes empfunden und war sehr lange verwundert, warum so viele Menschen es gut finden, was ich da tue.

Wie sind Sie dazu gekommen, als Sprecher zu arbeiten?

In meinem Fall kam es dadurch, dass ich in einem anderen Bereich gescheitert bin. Mein großes Ziel war es, Aachen eines Tages im Sattel zu erreichen. Aber das wollte mir nicht gelingen. Als ich dann diese Bemühungen irgendwann aufgegeben habe, sind Veranstalter einiger Turniere, auf denen ich zuvor geritten bin, mit der Frage auf mich zugekommen, ob ich nicht einmal ansagen möchte. Das habe ich gemacht und von da an ist Schritt für Schritt immer weiter gegangen. 1985 hat mich Hans-Heinrich Isenbarth, mein späterer Lehrmeister am Mikrofon und väterlicher Freund, dann das erste Mal gehört und mich fortan an die Hand genommen. Das war eine lehrreiche Zeit, für die ich ihm bis heute unendlich dankbar bin und die mich schließlich bis nach Aachen geführt hat.

Wie umfangreich ist die Vorbereitung auf die Aufgabe im Richterturm?

Hans Heinrich Isenbarth hat mir einmal gesagt: Das Geheimnis eines guten Sprechers ist nichts anderes als gnadenlose Vorbereitung. Bei mir war es so, dass ich zunächst Karteikarten gepflegt habe, später dann eine Datei, um immer auf dem aktuellsten Stand zu sein. Vor dem CHIO Aachen bekommen wir Sprecher aber dankenswerter Weise auch eine ganze Flut an Informationen. Auch das ist etwas, was Aachen so einzigartig macht. Der Background, den wir vom Veranstalter bekommen, trägt uns Sprecher durch das Turnier.

Ist trotzdem schon einmal etwas schiefgegangen?

Natürlich. Im Laufe einer so langen Zeit ist es immer mal wieder zu Situationen gekommen, in denen man vielleicht im Nachhinein etwas lieber nicht oder anders gesagt hätte. Aber das sollte möglichst selten der Fall sein und in gewisser Weise macht das unsere verantwortungsvolle Aufgabe auch so besonders: Wir sprechen live, nichts lässt sich hinterher korrigieren.

Erinnern Sie sich an eine besondere Situation, in der ihre Spontanität besonders gefragt war?

Das ist ein bisschen das Salz in der Suppe eines Sprechers. Namen und Resultate abzulesen, ist nicht wirklich schwer. Die unvorhersehbaren Situationen sind es, auf die wir bestmöglich zu reagieren haben. Das ist auch das, was unsere Aufgabe so spannend macht. Wir Sprecher sind in erster Linie für das Publikum zuständig. Es zu informieren und es zu unterhalten. Sogar ein Unwetter, wie wir es in Aachen immer mal wieder erlebt haben, kann vom Richterturm aus durchaus Spaß machen, wenn es einem gelingt, die Menschen auch innerhalb einer Unterbrechung bestmöglich zu unterhalten.

Welcher Moment beim CHIO Aachen hat sie am meisten berührt?

Es gibt in jedem Jahr Momente, die mich besonders berühren. Das können auch die Leistungen junger, noch unerfahrener Reiter sein, die das erste Mal in Aachen dabei sind und großartige Leistungen schaffen. Ganz besonders emotional habe ich auch die Weltmeisterschaften in Aachen im Jahr 2006 in Erinnerung. Die Stimmung im Hauptstadion bleibt für immer unvergessen. Ich musste mich wirklich bemühen, dass meine Stimme bis zum letzten Moment klar verständlich bleibt. Das war sehr emotional.

Nächstes Jahr wird es wieder einen CHIO Aachen geben. Werden Sie dabei sein?

Vielleicht nicht vor Ort, aber die Ereignisse in Aachen werde ich auf jeden Fall aus der Ferne immer weiterverfolgen. Ich freue mich jetzt auf die Zeit, die ich mit meiner Familie verbringen darf und blicke mit großer Dankbarkeit auf viele spannende, berührende Momente, freundschaftliche Begegnungen mit wunderbaren Menschen und einzigartigen Pferden zurück. Es war eine schöne Zeit.

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