8. Juni 2026
Aktuelles

„Dieses Pferd ist krass!“

Lesedauer 4 Minuten

“Standing Ovations für den Sieger im Grand Prix von Hamburg in der Al Shira’aa Fünf-Sterne-Tour: André Thieme feiert – seinen Sieg, ‚seinen‘ Derby-Park und vor allen Dingen seine Stute DSP Chakaria. „Dieses Pferd ist krass!“

Zum ersten Mal hat Thieme den Großen Preis in Hamburg gewonnen, aber – nach eigener lachender Aussage – er war auch mal dran: „Ich war hier schon Zweiter und Dritter im Großen Preis – jetzt musste es mal klappen.“

Und wie es klappte: Acht Reiter hatten sich für das Stechen in diesem 1,60-Meter-Springen qualifiziert, Thieme ging als vorletzter Starter in den Parcours und siegte in 39,59 Sekunden. Das waren runde eineinhalb Sekunden schneller als die zweitplatzierte Emilie Conter aus Belgien auf Portobella van de Fruitkorf. Auch Platz drei ging an eine Amazone aus Belgien, Gudrun Patteet, im Sattel von Sea Coast Qarvaljo d’Or.

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Auf Siegkurs schien zwischenzeitlich auch der dreimalige Hamburg- und Vorjahres-Sieger Christian Ahlmann. Mit dem neunjährigen Applebridge Tag Z flitzte er in einem unglaublich schnellen Speed durch den Parcours und um die Wendungen, zu gewagt sauste er dann ziemlich schräg in Richtung des Schlussoxers. Applebridge verweigerte etwas verunsichert. Mit einem Hauch mehr Routine wird es den Beiden nächstes Mal voraussichtlich gelingen – die Konkurrenz kann sich schon mal warm anziehen…

In Andrè Thiemes Kopf überschlugen sich vor dem Stechen die Gedanken: „Das war gar nicht so einfach. Nächste Woche ist Aachen und jeder weiß, wie wichtig Aachen ist – auch mit Blick auf die Weltmeisterschaft. Dann war Chakaria über ein Jahr verletzt, das hat man ja auch noch ein bisschen im Hinterkopf. Dann hat es geregnet und der Bundestrainer war hier und hat gesagt: ‚Mach nichts Verrücktes.‘ Es waren also eine Menge Dinge, durch die ich mir nicht sicher war, wie viel ich wirklich riskieren will. Aber natürlich habe ich gemerkt, wie gut sie drauf ist.“ Am Ende habe die Stute im Stechen die Sprünge selbst gesucht. „Ich habe dieses Springen nicht übers Tempo gewonnen“, resümiert Thieme. „Ich habe es über zwei extrem enge Wendungen gewonnen, denke ich.“

Am Morgen des Samstags sah die Sache noch etwas anders aus. Chakaria sei eine typische Fuchsstute, die auch schon mal schlecht gelaunt sein könne. „Und heute Morgen war sie wirklich schlecht gelaunt.“ Aber ihre Verbindung sei so lang gewachsen und er kenne sie so gut. „Ich weiß inzwischen, wie ich dann mit ihr umzugehen habe, um sie auf meine Seite zu bekommen.“ Ein Top-Team, ein Traum-Paar, Hamburg-Sieger!

„Die musst Du erst einmal schlagen!“

Kopfschüttelnd kam die 26-jährige Emilie Conter aus dem Stechparcours: „Als ich durch die Ziellinie geritten bin, konnte ich kaum glauben, dass ich tatsächlich schneller war als die beiden anderen“, lacht die Belgierin. Die ‚beiden anderen‘ waren Harm Lahde und Gudrun Patteet, die vor ihr im Stechen waren und fehlerfrei geblieben sind. „Ich hatte mir zuvor die Stechrunden von Harm und Gudrun angeschaut und dachte nur: ‚Okay, die musst du erst einmal schlagen.’“

Mit der elfjährigen Portobella van de Fruitkorf ist Emilie Conter von den Stephex Stables in Belgien als vierte Reiterin ins Stechen eingeritten und hat alles riskiert. „Meine Stute war fantastisch. Sie hat mir überall geholfen, wo es nötig war. Es war vielleicht ein bisschen verrückt, aber am Ende hat alles funktioniert.“ Fünfmal war Emilie bei Nachwuchs-Europameisterschaften dabei und hat zweimal Team-Gold gewonnen, inzwischen ist sie bis zum internationalen Fünf-Sterne-Niveau erfolgreich und hat mit Portobella vor gut einem Jahr schon einen Fünf-Sterne-Großen Preis in Wellington gewonnen. Aber: „Der zweite Platz heute gehört definitiv zu meinen allergrößten Erfolgen“, betont sie und strahlt.

‚Grün‘ und erfolgreich

Der Belgier Sea Coast Qarvaljo d’Or ist zehn Jahre jung und sei noch ‚sehr grün‘ für sein Alter, erzählt Gudrun Patteet. Vergangene Woche ist er in Bourg-en-Bresse seinen ersten Vier-Sterne-Grand-Prix gesprungen und war direkt platziert. „Ich bin anschließend nach Hamburg gekommen, um ihm auf dem Derbyplatz weitere Erfahrung zu geben“, sagt die belgische Profireiterin. „Ehrlich gesagt war ich mir zunächst gar nicht sicher, ob ich den Großen Preis überhaupt reiten würde. Aber er hat das heute fantastisch gemacht und ich bin wirklich begeistert davon, wie er gesprungen ist.“ Gezüchtet wurde der Mosito van het Hellehof-Sohn von Freunden Patteets, seitdem er sieben war, saß Gudrun in seinem Sattel. „Er hatte ein paar gesundheitliche Probleme und war deshalb längere Zeit außer Gefecht“, erzählt sie. „Wir haben uns bewusst viel Zeit genommen, um ihn wieder aufzubauen. Jetzt fühlt er sich richtig gut an und hat sich hier in Hamburg vom ersten Tag an sehr wohlgefühlt. Insgesamt war es eine großartige Erfahrung für ihn und ich denke, wir können sehr zufrieden sein.“

Großes Kompliment

Ein großes Kompliment sprach Turnierchef Matthias Rath den Reitern aus, aber ebenso dem Hamburger Publikum. „Egal ob hier die Sonne scheint oder es zwischendurch mal richtig regnet: das Hamburger Publikum ist unglaublich. Die sind da und machen für jeden Reiter einfach eine super Stimmung – das ist fantastisch!“

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