Frühjahrs-Check für Pferdeanhänger

Vor der Reise- und Turniersaison ist es nun Zeit, den Pferdeanhänger wieder fit zu machen. Denn in den meisten Fällen stand er im Freien und war den Witterungseinflüssen ungeschützt ausgesetzt. Wir haben ein paar Experten um Rat gefragt und viele interessante Tipps für den Frühjahrs-Check und die Pflege für Pferdeanhänger erhalten.

Auch wenn der Pferdeanhänger vor der Winterpause ordentlich gewaschen und quasi „eingemottet“ worden war, ist im Frühjahr doch meistens eine gründliche Überprüfung aller wichtigen Teile erforderlich. „Wenn nicht im Herbst geschehen, sollte das Fahrzeug nach dem Winter auf jeden Fall innen und außen am bestem mit klarem Wasser gereinigt werden. Das gilt vor allem, wenn es durch salzigen Schneematsch unterwegs war. Der Frühjahrs-Check sollte dann nicht nur die klassischen Verschleißteile wie Bremsen und Radlager, Beleuchtungsanlagen, Kupplungen und Scharniere umfassen, sondern auch die Transportböden und Seitenwände. Denn vor allem hier können sich kleine versteckte Schäden finden, die vor allem in der nass-kalten Jahreszeit auf lange Sicht zur Verrottung des ganzen Fahrzeuges geführt haben können“, erklärt Dr. Uwe Meyer, Mitglied der Geschäftsleitung des fränkischen Anhängerherstellers WM Meyer.

Die vorsichtige Nutzung eines Hochdruckreinigers ist außen und an glatten Stellen durchaus möglich, innen und vor allem an den Dichtungen ist sie nicht zu empfehlen.


Abschmieren nicht vergessen
Besondere Beachtung bei der Anhängerüberprüfung erfordern die Bremsen in Verbindung mit der Auflaufeinrichtung und -dämpfer. In der langen Standzeit kann Schwitzwasser entstanden sein, daher sollte man jetzt alle wichtigen Stellen abschmieren. Dazu gehören in erster Linie die Bremsseilzüge, die eigens dafür vorgesehene Schmiernippel haben.
Die Führung der Auflaufvorrichtung muss ebenfalls gegen Verrosten regelmäßig mit Lagerfett geschmiert werden.

Aber auch alle anderen beweglichen Teile sollten kontrolliert und vorsorglich geschmiert werden, damit sie fit für die Saison sind und gegen vorzeitiges Altern bestmöglich geschützt werden. Dazu gehören zum Beispiel alle Bolzen und Gelenkteile, das Stützrad, Scharniere an der Heckklappe und den Türen. Sinnvoll ist hier der Einsatz einer Fettpresse, die es im Autozubehör oder Baumarkt gibt.

Die Kupplung
Um die Abnutzung sowohl des Kugelkopfes als auch des Kupplungsmauls am Anhänger anzuzeigen, verfügen die klassischen Zugkugelkupplungen über eine Verschleißanzeige. „Da die üblichen Kugelköpfe 50 mm Durchmesser haben, liegt das Normmaß auch bei 50 mm Durchmesser, das minimale Verschleißmaß beträgt 49 mm. Der Kugelkopf des Zugwagens darf nie spürbares Spiel aufweisen, sonst könnte sich der Anhänger im schlimmsten Fall „losrütteln“, so Dr. Uwe Meyer. Wenn die Kupplung des Anhängers nach starkem Gebrauch ausgeschlagen oder der Kugelkopf des Zugfahrzeuges abgenutzt ist, hilft nur der Austausch der jeweiligen Komponente.

Die Beleuchtung
Eigentlich vor jeder Fahrt, aber vor allem nach längeren Standzeiten im Winter sollte die Beleuchtung geprüft werden. Dazu gehören die Rück-, Brems-, Blink- und Nebelschlussleuchten sowie und Umriss- und Begrenzungsleuchten. Wenn eine Leuchte nicht funktioniert, kann dies natürlich in erster Linie an den Glühlampen oder LEDs liegen. „Die Lichtscheiben sind leicht zu entfernen, dann sollte man die Glühlampen auf festen Sitz in der Halterung kontrollieren. Sind die Halterungen der Lampen korrodiert, kann man sie oft noch reinigen. Eine weitere Fehlerquelle können beschädigte Kontakte der Steckverbindung des Verbindungssteckers zum Zugfahrzeug sein, vor allem, wenn Adapter zum Anschluss älterer siebenpoliger Stecker an modernen 13-poligen PKW-Steckdosen genutzt werden. Mit der Zeit können auch Kabel und deren Verbindungen schadhaft sein. Als Notmaßnahme hilft oft ein Kontaktspray an der Steckverbindung. Bringt das nichts, kann man den Stecker auch an einem anderen PKW testen, um so herauszufinden, wo sich der Fehler verbirgt“, erläutert Oliver Czech von Humbaur.

Reifenschäden durch lange Standzeit
Gerade wegen der langen Standzeit im Winter leiden auch die Reifen und sollten daher auf Haarrisse und spröde Stellen an den Seiten überprüft, die Radmuttern nachgezogen werden. Oft wird nämlich mit zu wenig Luft in den Reifen gefahren. Das sei riskant, weil sie dadurch heiß liefen und platzen könnten.

Knackpunkt Anhängerboden
Ein Knackpunkt im wahrsten Sinne des Wortes ist der Anhängerboden. Zwar gibt es in teureren Neufahrzeugen kaum noch Holzböden, bei älteren und neueren preiswerteren Modellen sind sie aber immer noch vorhanden. Sie bestehen aus mehrfach verleimten Holz-Siebdruckplatten in einer Stärke von mindestens 18, meistens aber 21 mm. Auch bei guter Pflege leidet das Material durch dauerhafte Feuchtigkeit. Diese kommt einmal von unten durch Spritzwasser während der Fahrten und auf Parkplätzen im Freien durch nasses Gras. Auch wenn Kot und Urin nach jeder Fahrt sorgfältig entfernt werden, kommt es nach jahrelangem Gebrauch unweigerlich zu Schwachstellen vor allem im hinteren Bereich und je nach Beschlag und Pferdeverhalten auch unter den Vorderhufen.

„Es empfiehlt es sich jetzt, die Dichtmasse zwischen Bordwand und Holzboden zu kontrollieren und vorsorglich auszubessern“, empfiehlt Thorsten Thiel, seit 1989 Jahren technischer Leiter der Firma Thiel Anhängerbau in Pfullendorf.

Die Suche nach verrotteten Stellen geschieht am besten durch Abklopfen und durch „Stichproben“ mit einem Schraubendreher an den genannten Stellen. Wer den Anhänger über eine Grube in einer Kfz-Werkstatt fahren kann, kann den Boden auch einmal von unten überprüfen.

In den meisten Pferdeanhängern ist die Gummimatte auf dem Boden fest verklebt. In älteren Modellen findet man gelegentlich noch lose verlegte Matten. Hier wird empfohlen, die Matte regelmäßig hochzunehmen und den Boden zu lüften. Das ist in der Theorie gut gemeint, wird aber in der Praxis selten gemacht. Die Matten wiegen gut 50 Kilo und sind nicht sehr handlich. Also bleiben sie doch liegen und bieten gerade an den Rändern beste Eintrittsmöglichkeiten für Fäulnisbakterien – und zwar zu jeder Jahreszeit.

Seitenwände: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser
Der Holzaufbau beim Pferdeanhänger ist ebenso wie der Holzboden ein Auslaufmodell. Das hat einen guten Grund: Bei Holzanhängern sind oft am Bodenansatz auch die Seitenwände angegriffen, weil die Feuchtigkeit aus dem Boden nach oben kriecht. Wer also einen Holzanänger hat, ist nach der Winterpause gut beraten zu handeln, falls in der naßkalten Jahreszeit doch Schäden entstanden sind. Damit etwaige Fäulnisstellen nicht noch höher wandern, kann eine Fachwerkstatt das faule Holz herausschneiden und mit einem neuen Plattenstück ersetzen. Innen kommt eine Trittschutzplatte und außen eine Aluleiste über die reparierten Stellen.

Polyester-Anhänger sind sicherlich deutlich robuster gegen Verrottung, aber auch hier können Schäden in den Wänden auftreten, weil die meisten Seitenwände und Heckrampen noch in Sandwichbauweise mit einem innen liegenden Holzkern gefertigt sind. Hier sind die Bohrstellen die empfindlichsten Stellen, weil nach einiger Zeit Regenwasser bis zum Holz eindringen kann. Dasselbe gilt natürlich bei Schäden durch Huftritte. Vor allem nach den Frostmonaten taut das Wasser dann auf und das Holz zerbröselt nach und nach.

Jetzt kann nur noch eine aufwändige Reparatur helfen, für die der Pferdeanhänger auf jeden Fall in eine spezialisierte Fachwerkstatt muss, welche die geschädigte Wand ersetzen kann.

Langfristig denken
Wird der Pferdeanhänger gut gepflegt und regelmäßig auf Schäden überprüft, die dann sofort repariert werden, kann er seinem Eigentümer lange Freude machen – bis zu zwanzig Jahre Lebensdauer sind bei qualitativ hochwertigen Fahrzeugen keine Seltenheit. (Quelle: mit-pferden-reisen.de)

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